Aktuelles

„Ich erwarte großartiges Musizieren!“

Interview mit Prof. Węgrzyn, dem Juryvorsitzenden beim DMIF-Wettbewerb

Der Juryvorsitzende Prof. Krzysztof Węgrzyn erzählt, wie der Prozess der Vorauswahl lief, worauf junge Musikerinnen und Musiker bei der Teilnahme achten sollten und was am Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds so besonders ist.

Prof. Krzysztof Węgrzyn ist Teil sowohl der Vorjury als auch der Jury für den Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds von 20.–22. Februar 2026. In den vergangenen Wochen hat der Violin-Professor aus Hannover zusammen mit Prof. Barbara Buntrock (Viola) und Prof. Troels Svane (Viononcello) etliche eingereichte Videos gesichtet, bewertet und Feedback gegeben. Im Februar wird Prof. Węgrzyn dann in der Musikhochschule über die Vergabe der wertvollen Instrumente des Deutschen Musikinstrumentenfonds entscheiden – als Juryvorsitzender zusammen mit Prof. Ulf Wallin (Violine), Prof. German Tcakulov (Viola), Prof. Stephan Forck und Prof. Sebastian Klinger (beide Violoncello). Abseits aller To-dos haben wir mit ihm über den Wettbewerb gesprochen und dabei seine ganz persönliche Sichtweise kennengelernt.

Prof. Węgrzyn, für die DSM haben Sie die Rolle als Juryvorsitzender nun das erste Mal inne, sind sowohl Teil der Vorauswahljury als auch der Wettbewerbsjury. Wie erleben Sie die Arbeit und den Stellenwert des Wettbewerbs des Deutschen Musikinstrumentenfonds?

Wir sprechen immer von einem nationalen Wettbewerb – dabei gibt es kaum einen, der internationaler ist als dieser. Hier machen junge Leute mit, die aus der ganzen Welt für ihr Studium nach Deutschland gekommen sind. Dadurch bekommen wir einen richtig guten Einblick in das, was international passiert und auf welchem Niveau gearbeitet wird. Und genau das macht die Aufgabe für uns als Jury so spannend.
Das ist einer der Hauptgründe, warum ich das mache. Mich interessiert einfach, was 2026 auf dem deutschen „Streichermarkt“ passiert. Der Wettbewerb der DSM ist eigentlich die einzige Möglichkeit, sich da einen wirklich ganzheitlichen Überblick zu verschaffen.
Die herkömmlichen Wettbewerbe sprechen jeweils ein sehr spezifisches Publikum an. Der Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds hingegen ist offen für alle, die sich jetzt oder in absehbarer Zeit als Künstlerinnen und Künstler sehen und alles mitbringen, was dieser fast unmögliche Beruf verlangt.

Zusammen mit Prof. Barbara Buntrock (Viola) und Prof. Troels Svane (Violoncello) haben Sie die Vorauswahl getroffen. Gab es bei all den Bewerbungen und Videos, die Sie sich angesehen haben, Besonderheiten oder etwas, das Sie überrascht hat?

Einerseits standen wir vor einer Vielzahl hervorragender Bewerbungen, andererseits erreichten uns auch einige Einreichungen, bei denen die Aufnahmequalität – vor allem der Ton – nicht klar genug war, um das volle Potenzial hörbar zu machen.
Unsere Arbeit ist extrem reibungslos gelaufen. Wir drei in der Vorauswahljury haben erst einmal jeweils für uns entschieden, danach wurde in der Stiftung alles zusammengeführt, und die Vorauswahl haben wir dann gemeinsam in einem Zoom-Meeting festgelegt.
Was mich jedoch besonders berührt hat, waren die Gespräche mit jenen jungen Menschen, die wir diesmal nicht einladen konnten. Mit welcher Ruhe, Professionalität und inneren Stärke diese Nachricht aufgenommen wurde, war alles andere als selbstverständlich. Viele sagten, sie würden es versuchen, beim nächsten Mal besser zu machen. Und genau darin liegt so viel Hoffnung: Denn es ist kein Scheitern, kein Ende – es ist ein Anfang.

Möchten Sie etwas zur Auswahl der eingereichten Stücke sagen?

Normalerweise gibt es bei instrumentalen Wettbewerben eine feste Stückauswahl, um Vergleichbarkeit zu schaffen – etwa Bach, ein Violinkonzert oder Paganini. Der Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds geht bewusst einen anderen Weg: Er lässt große Freiheit bei der Repertoirewahl und nennt nur drei Epochen. Man ist also nicht gezwungen, ein bestimmtes Stück zu spielen.
Diese Freiheit ist allerdings nicht ganz unproblematisch, denn unter den vielen Bewerbungen finden sich auch Programme mit extrem hohem Schwierigkeitsgrad. Gegen brillant gespieltes virtuoseres Repertoire zu bestehen, ist mit einfacheren Stücken nicht leicht. Dennoch öffnet der Wettbewerb sich dadurch einem breiten Kreis begabter junger Musikerinnen und Musiker.
Unsere Aufgabe ist es, in dieser Vielfalt Persönlichkeiten zu erkennen – nicht nur technisch solide Leistungen, sondern individuelle, künstlerisch überzeugende Interpretationen. Technik ist die Grundlage, aber entscheidend ist die Persönlichkeit.

Wurden denn dank dieser umfassenderen Vorgaben besonders ungewöhnliche Stücke eingereicht?

Ein paar Kandidat*innen haben sich tatsächlich mit zeitgenössischer Musik beworben – das ist in der Vorauswahl eher die Ausnahme. Für viele ist das erst mal ungewohnt, und man denkt schnell: Das lässt sich ja gar nicht vergleichen. Aber das stimmt nur bedingt. Gerade bei moderner Musik sieht man Authentizität oft sehr deutlich, weil man freier ist und weniger festgelegt, wie etwas „richtig“ klingen soll.
Vielleicht sind wir heute insgesamt lockerer geworden – manchmal sogar ein bisschen zu locker … Tradition hat nicht mehr denselben Stellenwert wie früher, das hat Licht- und Schattenseiten. Aber am Ende bleibt klar: Wir kommen aus der Tradition, und sie schwingt immer mit.

Nach der Vorauswahl kommt der Wettbewerb an sich ja auf uns alle noch zu – nicht zuletzt auf Sie, Prof. Ulf Wallin (Violine), Prof. German Tcakulov (Viola), Prof. Stephan Forck und Prof. Sebastian Klinger (beide Violoncello) als Jury. Was erwarten Sie diesbezüglich?

Ganz klar: Ich erwarte großartiges Musizieren!
Und noch ein paar Worte zum Wettbewerb und zur Deutschen Stiftung Musikleben: Das Ganze war einfach fantastisch organisiert. Extrem professionell, alles durchdacht, alles mehrfach geprüft. Und als es dann in der Vorauswahl ernst wurde, lief es komplett reibungslos. Heute ist das ja fast schon eine Ausnahme.
Zur Stiftung selbst: Ich bin ein großer Bewunderer. Sie gehört zu den wichtigsten Institutionen für musikalische Ausbildung – längst über Deutschland hinaus. Die Instrumentensammlung ist weltberühmt, in Qualität und Umfang einmalig. Inzwischen ist es schon eine Auszeichnung, überhaupt Stipendiat*in der DSM zu sein. Das gesamte Umfeld ist großartig: tief in der Tradition verwurzelt und gleichzeitig offen für die Zukunft, mit dem klaren Willen, wirklich etwas zu bewegen.

Vielen Dank, das freut uns ganz besonders! Und wie Sie sagen: Zahlreiche wertvolle Instrumente unterschiedlichen Charakters werden demnächst verliehen. Wie geht denn das dann vonstatten?

In Lübeck machen wir uns zuerst mit den Instrumenten vertraut, um sie später möglichst passend den Preisträger*innen zuzuordnen. Die Entscheidung fällt natürlich in den Wertungsspielen – dafür müssen wir die jungen Musiker*innen live hören. Das ist etwas ganz anderes als online: Erst im Raum entsteht der wirkliche Eindruck.

Herzlichen Dank für das Gespräch und bis bald in Lübeck!

 

Foto: Thilo Nass

Wir verwenden Cookies, damit auf dieser Website alles rund läuft.

Wir verwenden Cookies, damit auf dieser Website alles rund läuft.

Ihre Cookie-Einstellungen wurden gespeichert.